Uwe Fehrmann










Aktuelle Kunst von Uwe Fehrmann – Realismus vs. Abstraktion


Seit 2013 entwickelt Uwe Fehrmann, dessen Wurzeln im russischen Realismus von Ilja Repin und Iwan Schischkin und andererseits in der Leipziger Schule mit Werner Tübke und Bernhard Heisig zu finden sind, zunehmend verschiedene Mittel, mit denen er den realistischen Bildraum aufbricht und -löst.

In den an die Plakatabrisse der Pariser Affichisten erinnernden Arbeiten verfolgt der zeitgenössische Künstler Fehrmann das Ziel, die gegenseitige Durchdringung und Überlagerung von virtueller und realer Welt zu visualisieren. Auf den ersten Blick gegenstandslose Pixel- und Farbcluster offenbaren sich dem Betrachter als Landschaften, Menschenansammlungen oder Porträts, deren Botschaft ebenfalls nur mit weiterer intensiver Beschäftigung mit dem Werk entschlüsselbar ist.

Während sein seit 2014 entstehender Werkzyklus „Transparenzen“ konsequent diesen Weg verfolgt und Gegenwartskunst hervorgebracht hat, die in einigen Bildern die Grenzen zwischen Informel und Realismus vollständig aufzulösen scheint, findet er in Werken außerhalb dieser Themenreihe immer wieder zurück zu seinen neorealistischen Ursprüngen und schafft so Bindeglieder zwischen seiner aktuellen Kunst und der Gegenwartskunst seiner Vergangenheit.

Themen und inhaltliche Rezeption seiner Gegenwartskunst

Uwe Fehrmann schafft komplexe Bildwerke, die Bezug auf aktuelle, aber auch grundsätzliche Fragestellungen nehmen und Antworten wenn, dann nur im Ansatz liefern. Gesellschaftliche Themen, die sich immer wieder in seinen oft großformatigen Arbeiten finden, thematisieren bei oberflächlicher Betrachtung Dekonstruktion, Abschaffung und Vergessen als Reaktion auf politische Umbrüche. Bei eingehender Auseinandersetzung mit diesen Werken ist jedoch festzustellen, dass es dem Künstler weniger um die äußeren Umstände geht, sondern viel mehr menschliche Verhaltensmuster im Fokus seiner Malerei stehen.

Diese Intention stellt den Menschen und seine Umwelt in den Mittelpunkt der zeitgenössischen Malerei Fehrmanns und thematisiert das Leben und Streben des Individuums. Ebenso beschäftigt er sich mit philosophischen Fragen, die über den Einzelnen hinausweisen und das Prinzip des Mensch-Seins und das Zusammenleben in gesellschaftlichen Strukturen untersuchen.

Seine Gegenwartskunst ist einerseits gegenständlich und wirkt anderseits oft sehr abstrakt, sie ist durchzogen von verschiedenen Realitätsebenen, entwirft traumhafte Szenerien und bezieht sich mit symbolischen Anspielungen auf antike Mythen. Die Gemälde, die er mittels verschiedener Acryl-, Öl- und Collagetechniken erschafft, weisen häufig eine Nähe zum magischen Realismus auf, indem sie reale Wirklichkeit auf magisch wirkende Realität treffen lassen und so dem Betrachter eine anspruchsvolle Entschlüsselung der Bildsprache abverlangen.

Fehrmann deinstalliert in seiner aktuellen Kunst Klischees und Erwartungshaltungen, stellt sie in radikale, doch zugleich poetische Zusammenhänge und erzeugt auf diese Weise ein visuelles und inhaltliches Spannungsfeld, dem man sich als Rezipient seiner Bilder schwer entziehen kann.


Ein zeitgenössischer Künstler als Grenzgänger

Für die Rezeption Uwe Fehrmanns Gegenwartskunst, der scheinbare Widersprüche und komplexe Deutungsebenen inhärent sind, ist ein Blick auf seine wechselhafte Biographie durchaus hilfreich. Erklärt sie doch schlüssig seinen ganzheitlichen Blick, den er als zeitgenössischer Künstler auf sein Werk überträgt und macht seine Intentionen besser begreifbar.

Als in der DDR ausgebildeter Künstler ist die Beherrschung von Abbildungs- und Darstellungstechniken und das damit verbundene handwerkliche Können seit jeher essentiell für seine Arbeit. Die daraus resultierende Verpflichtung zum Realismus ist bis
heute in seinen Arbeiten zu finden und unverzichtbarer Bestandteil für die tieferliegende Bedeutung seiner Gegenwartskunst.

Ein einschneidender Wendepunkt in seiner Biographie ist ohne Frage die Flucht in die deutsche Botschaft in Prag im Jahr 1984 die in der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland mündete. Die daraus resultierende tiefgreifende Umstellung des Alltags als zeitgenössischer Künstler hat unübersehbar seine Malerei nachhaltig beeinflusst. Seine Perspektive wurde in einer Art erweitert, die nur wenigen Zeitgenossen vergönnt ist und erlaubte ihm damit einen präziseren, zugleich distanzierteren Blick auf die gesellschaftlichen Themen, die er in seiner aktuellen Kunst verarbeitet.

Zunächst arbeitete er für eine kurze, aber sehr intensive Zeit als bildender Künstler im Angestelltenverhältnis, bevor er prägende Jahre europaweit mit Kunstprojekten und großformatigen Malereien dazu nutzte, einen Weg zurück zu seiner ursprünglichen Arbeit als Künstler im eigenen Atelier zu finden - nunmehr befreit von den Zwängen, denen er früher in der DDR und später, als es zunächst um das reine Überleben ging, in der Bundesrepublik Deutschland unterworfen war.


Gegenwartskunst: die Gratwanderung zwischen Anspruch und Ästhetik

Dem Kunstpreisträger der Werner-Viktor Toeffling-Stiftung ist es ein existenzielles Anliegen, Selbstverständliches immer wieder zu hinterfragen. Die Themen seiner Gemälde sind von einer teilweise schwer erfassbaren Komplexität gekennzeichnet und verlangen dem Betrachter den Willen ab, sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig schafft es Uwe Fehrmann, seiner Gegenwartskunst eine kompositorische Leichtigkeit zu verleihen, die in ihrer Farbigkeit und Formgebung eine unverwechselbare Ästhetik erzeugt.

Diese spannende Synthese scheinbar gegensätzlicher künstlerischer Ansätze ermöglicht es, sich seiner aktuellen Kunst auf ganz verschiedene Weise zu nähern. Fehrmanns Arbeiten sind nicht aufdringlich, sie erdrücken den Betrachter nicht – eine Eigenschaft, die aufgrund ihrer oft schweren Themen überraschend und sympathisch ist.

Uwe Fehrmann lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin, ist Mitglied im Berufsverband bildender Künstler Berlin sowie dem Berufsverband bildender Künstler Schleswig-Holstein.

Quelle: Galerie EventArt - Die Kunstmacher, Andreas Garbe


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Vita


1962
geboren und aufgewachsen in Berlin

ab 1978
Malerei und Grafik im Otto-Nagel-Haus Berlin, Akt und Stillleben, Ausbildung in verschiedenen Techniken der Zeichnung und Malerei

1979 – 1981
Mitglied Künstlergruppe Berlin-Pankow, Aktstudium und Drucktechniken

1983
Mitarbeit in der Nationalgalerie Berlin, Restauratorenpraktikum und Ausstellungsassistenz

1983 – 1984
Studium Kunst (bei Prof. Hillig und Prof. Frankenstein) und Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin, Ausreiseantrag, Exmatrikulation wegen "Unparteilichkeit"

1984
Flucht in die Deutsche Botschaft in Prag

1985
Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland nach Hamburg, Bildender Künstler im Studio Hamburg und NDR, u.a. künstlerische Mitgestaltung des Musicals „Cats“ Hamburg, diverse Arbeiten für Film- und Fernsehen

ab 1986
freischaffender Künstler in Hamburg, Studienreisen nach Italien und Frankreich

1987 - 2010
Kunstprojekte und meist großformatige Malereien im In- und Ausland, u.a. Deutschland, Belgien, Österreich und Schweiz

2010 - 2019
Bilderzyklus „Die Gedanken sind frei", Einzelausstellungen in Berlin, Leipzig, Frankfurt-Oder und Schwerin in der BStU ( Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik )

2011
Ausstellung gemeinsam mit Bernhard Heisig, Gudrun Brüne und Johannes Heisig im Kulturzentrum Englische Kirche, Bad Homburg

2012
Bildankauf durch die Stiftung Berliner Mauer Berlin

2014
Teilnahme an der Dritten Generalversammlung "Ein neues Leitmotiv für Europa - NEW NARRATIVE FOR EUROPE" , auf Einladung des Präsidenten der Europäischen Kommission Dr. José Manuel Barroso, u.a. mit Dr. Angela Merkel in der Akademie der Künste Berlin

Kunstpreis der Werner-Viktor Toeffling-Stiftung, überreicht im Berliner Rathaus

Aufnahme des Gemäldes „Fata Morgana - Energiewolke" in die Stiftung Stadtmuseum Berlin

2015
Certificate of Exellence, PALM ART Award

Einzel- und Gruppenausstellungen

lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin

Mitgliedschaften:
Berufsverband bildender Künstler Berlin
Berufsverband bildender Künstler Schleswig-Holstein



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Ein neues Leitmotiv für Europa - New Narrative for Europe

Das Projekt "Ein neues Leitmotiv für Europa" beruht auf einem Vorschlag des Europäischen Parlaments, der von der Kommission umgesetzt wurde und dem ein Aufruf von Kommissionspräsident José Manuel Barroso an Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Kulturschaffende jeglicher Art vorausging, denen die Zukunft Europas am Herzen liegt.

Es erfolgte eine Einladung an ausgewählte Künstler im Namen des Präsidenten der Europäischen Kommission Dr. José Manuel Barroso, an der Dritten Generalversammlung "Ein neues Leitmotiv für Europa - NEW NARRATIVE FOR EUROPE" teil zu nehmen. Diese Initiative geht auf das Europäischen Parlament mit Dr. José Manuel Barroso und Dr. Angela Merkel zurück und fand in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin am 1. März 2014 statt.


Akademie der Künste, Pariser Platz BerlinRede Präsident BarrosoRede Bundeskanzlerin Dr. Angela MerkelBundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und EU-Präsident Dr. José Manuel Barroso beantworten FragenAri Benjamin Meyers präsentiert einen Auszug aus: "The Lightning and its Flash (Solo for conductor)Michelangelo Pistoletto präsentiert - Europe-Third ParadiseOlafur Eliasson hält eine Rede zu EuropaEurope compass - von Olafur EliassonKünstler Uwe Fehrmann (links) und Raymond Unger (rechts)vom Fenster derAkademie der Künste auf den Pariser Platz

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Texte





Interview mit dem Künstler Uwe Fehrmann


1. Wer bist du und was machst du?

Auf diese Frage kann ich ganz einfach antworten: Ich bin Künstler und ich male. Ich bin noch im geteilten Deutschland, in der DDR, aufgewachsen. Dort habe ich aufgrund der politischen Situation, in geistiger Unfreiheit gelebt und war beschränkt darin, mein Leben nach meinen Vorstellungen zu leben. Die Kunst unterlag dieser Beschränkung genauso. Wer nicht einigermaßen konform malte, hatte kaum eine Chance. Deshalb habe ich die DDR 1984 durch Flucht verlassen.
Diese Erlebnisse von Überwachung und Unterdrückung habe ich in meinem Gemälde- Zyklus “Die Gedanken sind frei” verarbeitet und mehrfach in “Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen” ausgestellt. Ich freue mich, jetzt ein ausgefülltes Leben mit meiner Familie und meiner Kunst führen zu können.


2. Warum Kunst?


Ich setz(t)e mich mit dem, was ich sehe und erlebe intensiv auseinander und verarbeite vieles davon in meinen Bildern. In meiner Jugend habe ich auch geschrieben und musiziert. Doch nur in der Malerei habe ich wirkliche Erfüllung und Glück empfunden.


3. Was ist Ihre früheste Erinnerung, ein Künstler zu sein?


Buntstifte, Farben und Papier durften in meiner Kindheit nie fehlen, wie bei vielen anderen Kindern auch. Ich habe eigentlich fast immer schon gemalt. Wenn ich aber zurück denke, habe ich mich bei meinem Studium der Gemälde Ilya Repins und Aleksander Iwanows begonnen, wirklich als Künstler zu begreifen.


4. Was sind Ihre Lieblingsthemen und Medien?


Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ein wichtiges Thema ist für mich immer wieder der Mensch in seiner Vielschichtigkeit und Ambivalenz. Durch die digitale Revolution hat der Mensch eine neue Realitätsebene geschaffen, eine parallele Wirklichkeit zu seiner physischen Welt. Die daraus entstehenden Möglichkeiten und Konflikte interessieren mich. In meinen Gemälden versuche ich verschiedene Inhalte in unterschiedlichen Ebenen zuverbinden und gleichzeitig zu fragmentieren. Der Betrachter hat dann die Möglichkeit der Auseinandersetzung und Defragmentierung. In der Regel benutze ich Öl- und Acrylfarben auf Leinwand / Keilrahmen oder AluDibond.


5. Wie arbeiten Sie und wenden sich Ihrem Thema zu?


Sehr oft mache ich mir Notizen oder Skizzen, sammle Informationen und Fotos. Daraus entwickle ich dann die Motive zum Thema.

6. Was sind Ihre Lieblingskunstwerke, Künstler (s)?

Die Vorliebe für Künstler und Kunstwerke hat sich mit der eigenen Kunst und der eigenen Entwicklung verändert. Wie ich es schon sagte, früher waren es die Realisten und Naturalisten, die mich fasziniert haben. In der DDR waren es Bernhard Heisig und Arno Rink, die mich beeinflusst haben. Heute sind es Künstler wie Franz AckermannChristine Streuli oder Norbert Bisky, deren Bildsprache mich emotional berührt. Lieblingskunstwerke von mir sind zum Beispiel “Zeit der Haie” von Bernhard Heisig oder “Im Blau” von Wassily Kandinsky.


7. Was sind die besten Antworten, die du zu deiner Arbeit gehabt hast?


Es wurde im Laufe der Jahre einiges zu meinen Arbeiten gesagt. Ich freue mich, wenn sie andere Menschen berühren und anregen.


8. Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Ich hatte immer den unbedingten Drang, mich mit Pinsel und Farbe auszudrücken. Mit sich selbst im Gespräch zu sein, den Prozess des Werdens zu erleben und den kleinen Moment der Stille nach Fertigstellung – das mag ich immer wieder.


9. Welche Ratschläge würdest du anderen Künstlern geben?


Der Kunst Raum und Weite geben – und Ratschläge vermeiden.


10. Wo sehen Sie sich in 5-10 Jahren?


Ich sehe mich weiter auf dem Weg der Kunst.


Charles W. Andrews, Editor
The Garden Gallery
Arts Illustrated, LLC
10 N. Hanover Street
Carlisle PA 17013-3013
717-249-1721
www.artsillustrated.com


https://www.artsillustrated.com/uwe-fehrmann-artist/



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Uwe Fehrmann – Maler des Virtuellen Realismus

Entspannt und vorwärts gewandt läuft der junge Mann in das Bild. Er steht inmitten der Fragmente seiner bisherigen „Flug“-Versuche, sein Leben zu ordnen und in den Griff zu bekommen. Aufbruch und Zuversicht liegen in der Luft. Auch der Wille, es dieses Mal zu schaffen  –  wie das Flugzeug hoch oben.
So wie im Bild „Jetzt oder nie – Flugversuch“, sind Uwe Fehrmanns Arbeiten voller Dynamik und Leuchtkraft, durchzogen von verschiedenen Realitätsebenen und symbolischen Anspielungen. Er bewegt sich im Spannungsfeld der z.T. sehr malerischen Plakatkunst der 20er Jahre (Julius Klinger, Lucian Bernhard), der Plakatabrisse (affiche lacérée oder décollage) der Affichisten der 50er, der Popkunst von Andy Warhol und dem Cyberspace der gegenwärtigen Computergrafik. Daraus entwickelt Fehrmann eine einzigartige eigene Bildsprache.
Bildelemente lösen sich auf in zerfetzte übereinander und ineinander aufgehende Farb- und Formmodule. Das gegenseitige Durchdringen der physischen und der digitalen Welt wird sichtbar und lädt zum freien Assoziieren ein. Aus den scheinbar gegenstandslosen Fragmenten ergeben sich Formen, die an Landkarten oder Fabelwesen erinnern, wie etwa bei Das A und O. Sie überlagern sich inhaltlich und symbolisch. Elemente von Bildteilen wirken wie ausgelöscht und dadurch transparent. Die Hintergrundebenen scheinen durch, wie etwa bei Pangaea oder Spätsommer. Die Defragmentierung der Inhalte findet außerhalb des Bildes im Betrachter statt und wird von dessen  Assoziationen und Schlussfolgerungen ergänzt.
Ebenso, wie die Affichisten und die Popkultur greift Fehrmann die urbane Alltagswelt in leuchtenden Farbclustern auf. Er erstellt mal leicht oder schwer zu dechiffrierende Piktogramme aus den Bereichen urbaner, privater und öffentlicher Alltagskultur (Spätsommer, Spiel am See), Psychologie (Trance) und Politik. Mitunter finden sich kulturgeschichtliche Aspekte aus Mythen und Sagen (Ikarus, Flucht des Apis). Er erzeugt strukturierte semiotische Objekte, dessen sich der Betrachter dann habhaft werden kann, wenn er sich hierfür Zeit nimmt.
Fehrmann deinstalliert die zu erwartenden Denkmuster und stellt sie in radikale, doch zugleich poetische Zusammenhänge. Gerade diese zielorientierte Radikalität der Ausdrucksmittel und die sinnliche Poesie machen die unauflösbare Spannung seiner Werke aus. Und hier findet sich ein neuer Realismus, den Fehrmann in seinen früheren Werken bereits angelegt hat.
Für den Kunstpreisträger der Werner-Viktor Toeffling-Stiftung Uwe Fehrmann, dessen Gemälde Fata Morgana - Energiewolke im Berliner Rotes Rathaus prämiert und in die Stiftung Stadtmuseum Berlin aufgenommen wurde, ist es ein existenzielles Anliegen, Selbstverständliches immer wieder zu hinterfragen. Dabei bleiben die Arbeiten von Uwe Fehrmann klassische Tafelgemälde, meist großformatige Leinwände mit Öl oder Acryl gemalt, bei dem der haptisch anmutende, unverzichtbare Pinselstrich erhalten bleibt.

Christine Keruth, Dipl., M.A.



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In den großformatigen Kompositionen von Uwe Fehrmann wird auf den ersten Blick Dekonstruktion, Abschaffung und Vergessen als eine Reaktion auf politische Umbrüche thematisiert. Es wird weggekarrt, weggeschafft, verpackt und versteckt in alle Himmelsrichtungen unter der Flagge eines angeblichen Neuanfangs. Beim genaueren Hinsehen jedoch stellt man fest, dass es nicht die äußeren Umstände, sondern menschliche Verhaltensmuster sind, die der Künstler hinterfragt. Die Verhaltensmuster im weiteren Sinne, welche letztendlich zu den gegebenen äußeren Umständen führen. Wir beharren auf Klischees, die unsere Blicke mehr als vieles andere trüben und so kann es passieren, dass sogar diejenige, die gemeinsame Sprache haben sich nicht wiedererkennen wollen.
Die deutsche „Babel – Geschichte“ hat der in Berlin geborene Künstler am eigenen Leib erlebt. Nach einer Flucht in die deutsche Botschaft in Prag im Jahr 1984 gelang Uwe Fehrmann die Einreise in die Bundesrepublik Deutschland. Man kann kaum übersehen, dass all das Erlebte einen umfangreichen künstlerischen Aufarbeitungsprozess in den Gang gesetzt hat.
Schatten und Licht werden immer auf beiden Seiten gezeigt, auch Opfer und Täter sind in den Kompositionen von Uwe Fehrmann nicht unterschiedlich nur weil Sie durch bestimmte “architektonische Gebilde” räumlich getrennt werden. Kurzum die Arbeiten dieses Künstlers ähneln mehr einer Diskussion als einem Monolog, soweit die Kunst Objektivität zulässt.
Wie Dr. Jürgen Eckard treffend formulierte, hat Uwe Fehrmann die Sprache der realistischen Malerei gewählt um sich der Öffentlichkeit mitzuteilen. Er hat aber auch den Mut für nicht kommerzielle Themen bewiesen und auf dieser Weise eine nachhaltige und wirkungsvolle Malerei erschaffen.

Tinatin Ghughunishvili-Brück, Kunsthistorikerin M.A.




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Die Gedanken sind frei – sind sie es wirklich – nicht, wenn sie durch Diktatur oder Selbstzensur gehindert werden, sich mitzuteilen. Uwe Fehrmann ist es gelungen, sich selbst (Flucht aus der DDR über die Prager Botschaft) und seine Gedanken (durch künstlerische Aufarbeitung) aus der Isolation zu befreien. Hier sind Teile seines Oevres zeitnah hochpolitisch, aber auch gesamtgesellschaftlich kritisch. In Aufwind scheinen die Männer - entblößt von Äußerlichkeiten (nackt) - gleichsam zu schweben, aber auch zu springen.
Freiheit verschafft Auftrieb. Wo die Freiheit fehlt, muss der Sprung in dieselbe gewagt werden.
Das Gemälde Ungesühnt zeigt deutsch-deutsche Problematiken auf, die sowohl selbstkritisch, als auch mit einem Hauch von Ironie dargestellt sind. Bemerkenswert ist hier die subtile Art der Auseinandersetzung, da sie weit über nationale und zeitlich eingeengte Belange hinausreicht. So kann die getroffene Aussage auch bei historischen und gegenwärtigen Ereignissen Anwendung finden – es wäre lediglich die Uniform zu wechseln.
Hier liegt eine der Fähigkeiten Uwe Fehrmanns – sich gesellschaftlichen Themen zu stellen, diese aber zugleich von einem eingeengten Horizont zu befreien.
Nicht von ungefähr haben seine Werke teilweise poetische Züge, und es ist auch, wie man so schön sagt, Musik drin. Dies kann nicht verwundern, wenn man die vielen Tätigkeiten und Werke Uwe Fehrmanns betrachtet – die enge Verbindung zu anderen Künsten wie Literatur und Musik ist klar ersichtlich. Mit beiden setzt er sich leidenschaftlich auseinander. Sein Anliegen ist die ganzheitliche Erfassung der Kunst. Um an die Öffentlichkeit heranzutreten, hat er die Malerei gewählt, die realistische Malerei, schon in der Jugend geprägt u.a. von Werner Tübke, Bernhard Heisig und Ilja Repin. Seine Vielschichtigkeit zeichnet ihn aus und hebt ihn wohltuend von vielen anderen ab.
Selbstverständlich ist es legitim und auch wünschenswert Kunst zur Erbauung und Freude heranzuziehen; es ist aber auch richtig, sich Unterdrückung und Ungerechtigkeit entgegenzustellen. Hier kann der Künstler, insbesondere der Maler, Kraft seiner Gestaltungsfähigkeiten Widerstand leisten und denselben bei anderen beflügeln. Hierin liegt die soziale Verantwortung des Künstlers – Uwe Fehrmann hat sie wahrgenommen.

Auf künftige Arbeiten darf man gespannt sein und hoffen, dass sie ein breites Publikum erreichen, denn Kunst braucht Öffentlichkeit, sonst ist sie wirkungslos.

Dr. Jürgen Eckard, Kunsthistoriker




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Zwischen Berlin und Bad Homburg:
Von März bis Juni sind die Arbeiten von Uwe Fehrmann, auf Leinwand und auf Aktienpapieren, in einem prominenten Kreis zu sehen

Gemeinsam mit Monica Bonvicini, Zhivago Duncan, John Bock, Valérie Favre, Katharina Grosse, Nasan Tur, Matthias Köppel und vielen anderen, gestaltet Uwe Fehrmann 25 von 3300 Aktien der Berliner Uferhallen Aktiengesellschaft. Seit 24. März sind die Aktien in der 3000 Quadratmeter großen Zentralwerkstatt für öffentliche Ausstellungen und Kunstprojekte zu sehen und können käuflich erworben werden.
Diese einmalige Initiative wurde von der Uferhallen Aktiengesellschaft ins Leben gerufen.
Nachdem die BVG-Zentralwerkstätten eine Zukunft als Discounterareal erspart wurde, unternehmen die Gründungsaktionäre nun einen weiteren Schritt und möchten Uferhallen AG zu einer Publikumsgesellschaft entwickeln. Bis jetzt nur virtuell vorhandene Aktien wurden auf 34x48 cm 300g Büttenpapier von 132 Künstlern realisiert und werden verbrieft.
Die Kunstaktien sind noch bis zum 8. Mai 2011 in den Uferhallen in Berlin-Wedding ausgestellt.
Am 6. Mai lädt das Kulturzentrum Bad Homburg zu der Ausstellung „Magie des Menschseins“ ein. Mit Johannes und Bernhard Heisig und weiteren Vertretern der so genannten Leipziger Schule zeigt auch Uwe Fehrmann seine künstlerische Position zu dem Abenteuer des Menschseins. „Diese Ausstellung wird besonders die Fähigkeit der Kunst aufzeigen, die Menschen in seiner innersten Wesenhaftigkeit zu erreichen.“ Heißt es in der Einladung zur Ausstellung.

Tinatin Ghughunishvili-Brück, Kunsthistorikerin M.A.



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Uwe Fehrmann | Malerei
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